icedearth plaguesofbabylonmehrfach-soloICED EARTH haben ganz schön vorgelegt. Nachdem kaum noch jemand an sie geglaubt hat, legten sie vor zweieinhalb Jahren mit „Dystopia“ ein unglaublich starkes Album vor – und das trotz Sängerwechsel. Es folgte eine erfolgreiche Tour, doch dann ging es rund im Hause ICED EARTH. Das Line-Up, das in der Form bis auf Neuzugang Stu seit rund 3 Jahren zusammen war und perfekt erschien, brach auseinander. Zuerst verließ Bassist Freddie Vidales die Band, dann auch noch der langjährige Drummer Brent Smedley.

Ersatzleute waren jeweils schnell gefunden, wobei Smedleys Nachfolger an den Drums, Raphael Saini auch schon wieder Geschichte ist. Seit der letzten Tour ist nun Jon Dette als offizieller Drummer gelistet. Wie lange der bleibt, ist die Frage, ist er doch als das bekannt, was man umgangssprachlich auch gerne als Drumhure bezeichnet. Dette hat schon bei SLAYER, TESTAMENT und drölfzig weiteren Bands gespielt. Mal sehen. Immerhin - eine Tour hat er ja schon durchgehalten.

Überhaupt das Touren. Seit dem Release von „Dystopia“ waren ICED EARTH permanent unterwegs und spielten eine Tour nach der anderen und auch die Festivals wurden reichlich bedient. Zuletzt nun als Vorband von VOLBEAT. Und man fragt sich: Wann zur Hölle haben die denn die Songs geschrieben und aufgenommen?? Und, noch viel wichtiger: Kann das Niveau von „Dystopia“ gehalten werden? Daß das schwer wird, ist eigentlich klar.

Auf der Tour mit VOLBEAT gab es schon einen Vorgeschmack auf das neue Album. Und zwar wurde sowohl eine Platte mit drei neuen Songs verkauft, als auch diese drei Songs live präsentiert. Live konnte mich jedoch keiner der Songs überzeugen. Das ließ die Hoffnung auf ein weiteres sehr gutes Album sinken. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, also wollen wir mal sehen, was „Plagues Of Babylon“ so zu bieten hat.

Die Scheibe beginnt wie schon „Dystopia“ mit dem epischen Titelsong und der startet auch so ähnlich wie dieser. Allein, es fehlt der Schrei, den man eigentlich erwartet. Der Song ist ziemlich rythmusorientiert, der Gesang wirkt leicht abgehackt – mir ist der Song zu sehr im Midtempo verhaftet. Gut wird er jedoch nach dem Spoken-Word-Einschub. Dann gibt es auch mal schöne Gitarrensoli. Der Song ist gut, er ist episch, keine Frage, aber irgendwie fehlt ihm das gewisse Etwas, das ihn zu einem großartigen Song machen würde.

„Democide“ ist da schon aus anderem Holz geschnitzt. Der Song beginnt verhalten, wird dann aber richtig heftig und begeistert auch mit dem typischen ICED EARTH-Riffing. Dieser Song erinnert wohl am meisten an alte ICED EARTH und könnte live richtig gut kommen. Auch Stu Block zeigt hier nochmal, was er drauf hat und macht diesen Song so gut. „The Culling“ fällt dagegen wieder etwas ab. Man hat das Gefühl, daß Stu tiefer singt, als es ihm eigentlich liegt (er kann es, aber es klingt verkrampft). Auch dieser Song ist mir zu sehr im Midtempo, der Refrain hat eine Schunkelmelodie verpaßt bekommen und überhaupt paßt die musikalische Umsetzung nicht so recht zum textlichen Inhalt. Auf Dauer wird der Song leider langweilig.  

Bei „Among The Living Dead“ hat angeblich Hansi Kürsch von BLIND GUARDIAN die Leadvocals, ich kann ihn jedoch nur im Refrain heraushören. Dafür hat die Instrumentalfraktion hier einiges zu bieten: schön bratende Gitarren, Jon Schaffers typisches Riffing und überhaupt atmet dieses Stück auch den Geist alter BLIND GUARDIAN und wäre, würde DEMONS & WIZARDS drauf stehen, deren bester Song seit dem Debüt. Auch „Among The Living Dead“ ist ein richtig cooler Song geworden und gehört auf jeden Fall zu den besten der Scheibe.

Das kann man von „Resistance“ nicht behaupten. Mit seinem extrem abgehacktem Gesang ist es ein sehr sperriges, vertracktes Stück Musik, das die Aggressivität des Textes einfach nicht rüberbringen kann. Die sehr melodiösen Chöre tragen dazu eher bei, als daß sie das Stück hörbarer machen. Auch wenn ich die Gitarrensoli mag – das hier ist mir einfach zu viel des Guten. „The End“ beginnt, wo „Resistance“ aufgehört hat. Am Anfang etwas sperrig, entwickelt sich das Stück aber noch zu einem richtig guten Song mit schönen Ohrwurmmelodien und Mitsingrefrain. Und er wird auch endlich mal schneller und aggressiver, denn so langsam ist man des Midtempos doch mal überdrüssig.  

„If I Could See You“ ist, wie schon „End Of Innocence“ auf „Dystopia“, Stu Blocks Mutter gewidmet, die vor einigen Monaten an Krebs gestorben ist. Konnte mich der Song live nur beim ersten Mal überzeugen (beim zweiten Mal fand ich ihn eher langweilig), so entfaltet das Stück auf Platte sein ganzes Potential. Nicht übertrieben viele Chöre, herrlicher Powerrefrain – so schreibt man Songs, die das Erbe von „Watching Over Me“ antreten können. Sehr, sehr cooler Song.

Davon könnte „Cthulhu“ noch lernen, der mir wieder mal zu ruhig für die Thematik ist. Er wird zwar später deutlich schneller und heftiger aber auch hier fehlt mir, ähnlich wie beim Titelsong, das gewisse Etwas, der Pepp. Trotzdem aber ein ganz guter Song. Und danach kommt dann der „Peacemaker“ mit leichten Johnny-Cash-Charme dahergeswingt und entwickelt sich langsam zu einem richtig guten Midtemposong. Auch dieser Song konnte mich live zunächst nicht überzeugen, auf Platte muß ich aber sagen: Cooles Teil.

Das gilt im Grunde auch für „Parasite“, der mir aber auch wieder einen Ticken zu sperrig und auch zu langsam ist. Aber auch wirklich nur minimal (man merkt, ich jammere mal wieder auf hohem Niveau). „Spirit Of The Times“ stellt einen schönen Abschluß für das Album dar. Hier zeigt Stu noch einmal, was er alles kann. Der Song vereint schöne Gitarrenläufe, ruhige Passagen und harte Chöre. „Spirit Of The Times“ ist sehr gelungen und zeigt, wie vielseitig ICED EARTH 2013 sind.

Als endgültigen Abschluß gibt es dann noch das Jimmy-Webb-Cover „Highwayman“. Und auch das ist außerordentlich gut geraten (ich würde sogar so weit gehen und behaupten, von ICED EARTH klingt es besser als im Original und als die gecoverte Version). Die Amerikaner covern jedoch nicht die Ursprungsversion, sondern die Version, die Willie Nelson, Johnny Cash, Waylon Jennings und Kris Kristofferson dargeboten haben (also quasi das Cover eines Covers, aber who cares?). Dabei wird jede Strophe von einem anderen Sänger übernommen. Strophe 1 übernimmt Jon Schaffer selbst, dann darf Russel Allen (SYMPHONY X) ran, dann Stu Block und zum Schluß Michael Poulsen (VOLBEAT), der natürlich die Strophe seines Idols Johnny Cash übernehmen darf. Dieser Song macht so richtig Laune und ist wirklich gut geworden.

Und damit zeigen ICED EARTH, daß „Dystopia“ kein Zufallstreffer war. Und dennoch kommt „Plagues Of Babylon“ nicht ganz an dieses Album ran. Wieder hat Stu Block Jon Schaffer beim Schreiben der Songs und vor allem bei den Texten unterstützt und gibt damit ICED EARTH auch seine persönliche Note mit. Jon Schaffer hat das Album dieses Mal selbst produziert und man fragt sich, ob das vielleicht der Fehler war. Manchmal ist es vielleicht auch ganz gut, wenn jemand von außerhalb noch etwas Einfluß hat. Mir ist der Sound oft zu flach (ich hoffe aber, daß das nur an den mp3s hängt) und mir fehlt etwas die Variabilität bei den Tempi. Im Grunde ist „Plagues Of Babylon“ aber wieder ein sehr gutes Album geworden, im Gegensatz zu „Dystopia“ gibt es hier aber den ein oder anderen Ausreißer nach unten. Und – genau wie bei „Dystopia“ braucht man einfach mehrere Durchläufe, bevor einem die Platte wirklich gefällt. (Anne)

 

Bewertung: 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 62:13 min
Label: Century Media
Veröffentlichungstermin: 03.01.2014

Wertung der Redaktion
Maik Rainer Andreas Jochen Pascal Seb Dennis
 8 7  8  7  7 6,5   9
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Metalbakers Avatar
Metalbaker antwortete auf das Thema: #11664 4 Jahre 5 Monate her
Ich habe mir jetzt einige male die neue Scheibe von Iced Earth angehört,die Lieder haben sich entwickelt,natürlich singt hier kein Matt Barlow,aber ich persönlich finde das Stu Block auf dieser Scheibe um einiges kraftvoller und druckvoller singt,vor allen dingen in den tiefen lagen kann er mich jetzt so langsam überzeugen,die Musik geht wirklich schnell ins Ohr.Ich habe ja schon mehrere Stimmen gehört, dass das alles ja nix Neues wäre, immer die gleichen Riffs etc.. Und ja, Stu Block klingt in den gesprochenen Passagen wirklich auffallend nach Matt Barlow. Gute Musik muss sich nicht "entwickeln". Und die Musik auf "Plagues of Babylon" ist einfach verdammt gut. Kraftvoll, geile Riffs, majestätische Melodien ohne Schmalz und Zuckerguss. So muss (Power-) Metal für mich klingen. Durchhänger kann ich nicht finden, dafür jede Menge Highlights und die Cover-Version von "Highwayman" ist auch erste Sahne.
Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #11649 4 Jahre 5 Monate her
Ist besser geworden als erwartet, bzw. für mich keine Verschlechterung seit dem überbewerteten Vorgänger. Dem hat man zu sehr angehört, dass er so klingen sollte, wie er klingt, zu sehr auf die Zielgruppe zugeschnitten. Das Material hier braucht ein wnig mehr Zeit, wirkt aber interessanter. Dass diese Dänen, mit denen man befreundet ist, da ein wenig ihre Spuren hinterlassen haben, stört fast gar nicht. Nur am Ende muss die skandinavische Antwort auf Ricky Nelson dann doch losheulen. An die Großtaten bis "Something wicked" kommmen sie aber ebenso wenig ran wie "If I Could see you" an "Watching over me".
Pascals Avatar
Pascal antwortete auf das Thema: #11644 4 Jahre 5 Monate her
Für mich ist "Plagues Of Babylon" einfach nur ein solides ICED EARTH Album. Es gibt keine wirkliche Überraschung, was aber nicht unbedingt schlecht ist. Die Band hält sich an das was sie am Besten kann.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mittlerweile nicht mehr der größte Fan von "Power Metal" bin. Hinzu kommt noch, dass ich ein wirklich großer Barlow Fan bin, obwohl ich Stu Block auch gut finde springt der Funke nicht so richtig über.
Jochens Avatar
Jochen antwortete auf das Thema: #11640 4 Jahre 5 Monate her
Ich hab mich nach Barlow auch kaum noch für ICED EARTH interessiert, ist eh nit unbedingt meine Lieblingsmucke, aber ich finde das neue Album echt solide und sehr typisch. Es wird nix rumprobiert am funktionierenden Konzept, und man bekommt dennoch immer nochmal was Neues. Stu ist ein sehr passender Sänger, somit also alles richtig gemacht.
Annes Avatar
Anne antwortete auf das Thema: #11638 4 Jahre 5 Monate her
Nee, ich find' die "Dystopia" klar besser. Bin aber auch ein alter Barlow-Fan. Aber den Stu mag ich auch sehr.
Denniss Avatar
Dennis antwortete auf das Thema: #11636 4 Jahre 5 Monate her
Dennis: Saustarkes Album, meiner Meinung nach die beste ICED EARTH seit "Horror Show". Die Band wirkt jetzt endlich wieder wie eine Einheit, woran es bei "Dystopia" meiner Meinung nach noch ein wenig mangelte. Stu Block hat sich perfekt integriert und liefert eine der beeindruckendsten Gesangsperformances, die ich je gehört habe. Die Songs sind fast ausschließlich Hitmaterial, Schaffer & Co. haben sich hier beim Songwriting selbst übertroffen. Der Sound ist einsame Spitze, absolute Hochglanzproduktion, aber was anderes war hier wohl auch nicht zu erwarten.
Fazit: Wahrscheinlich jetzt schon eines der besten Alben im Bereich Power Metal für 2014, absolutes Must Have für alle Fans und ein neuer Meilenstein in der Geschichte der Band. HAMMER!!!! Und das sage ich als erklärter Matt Barlow Fan nicht leichtherzig.
Andreass Avatar
Andreas antwortete auf das Thema: #11635 4 Jahre 5 Monate her
Nach meiner heftigen Kritik am Auftritt der Band beim diesjährigen Metalfest, hatte ich mit der Band schon abgeschlossen. So überraschte es mich umso mehr, dass mir "Plaques Of Babylon" sehr gut mundet. Ich wollte eigentlich zuerst vermuten, dass Jon Sch. sein Konzept stur verfolgt und Stu B. Songs singen lässt, die eigentlich auf Matt B. zugeschnitten waren. So ist es zum Glück nicht und man kann sich auf ein gut komponiertes und sehr gut gesungenes Werk von IE freuen, welches sich in die Reihe der Albenveröffentlicheungen prima einfügt.

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