vorbericht lacunacoilNovember und Dezember sind normalerweise die Monate, die so vollgepackt sind mit Konzerten, dass man mehr als einmal die Qual der Wahl hat, so auch am 06.11. diesen Jahres. In der Heimat spielten GRAVE DIGGER, nach dem starken aktuellen Studioalbum durchaus eine Option, im besten Club der Republik (Colos-Saal, Aschaffenburg) gaben die Melo-Progger von THRESHOLD ihr Stelldichein und in der Rockhal gab's passend zur Jahreszeit Düstermucke mit LACUNA COIL auf die Ohren. In Sachen Stimmung (GRAVE DIGGER) und Qualität (THRESHOLD) wären die beiden anderen Veranstaltungen sicherlich besser gewesen, trotzdem fiel die Wahl auf die Italiener, denn erstens habe ich diese, warum auch immer, vorher noch nie live gesehen, zweitens ist das aktuelle Studioalbum „Broken Crown Halo" das Beste seit „Comalies" und drittens hat die Band auf ihrer „Dark Legacy" Tour 2012 mit einer guten Show Pluspunkte gesammelt. Also auf nach Esch-Sur-Alzette und ich war gerade einmal 30 Sekunden im Club der Rockhal, da ertönte bereits das Intro der ersten Vorband DEVILMENT, das nennt man wohl perfektes Timing.

DEVILMENT
Dass DEVILMENT als erstes auf die Bühnenbretter mussten, war durchaus etwas überraschend, schließlich steht die Band beim Major Nuclear Blast unter Vertrag und hat mit Dani Filth, der im nächsten Jahr mit CRADLE OF FILTH sein 20jähriges Bestehen feiern wird, ein prominentes Mitglied. Offiziell haben sich die einzelnen Musiker zusammengefunden, um eine „einzigartige Sache" zu machen, es sollte sich aber rasch herausstellen, dass der gebotene Querschnitt des Debütalbums „The Great And Secret Show" nicht weniger und nicht mehr ist als solider Düstermetal, irgendwo zwischen PARADISE LOST, RAMMSTEIN, CRADLE OF FILTH und BEHEMOTH.
Auch wenn sich mir nach wie vor nicht der Sinn hinter dieser Band erschlossen hat, denn DEVILMENT sind musikalisch nicht allzu weit von CRADLE OF FILTH entfernt, sie sind weniger Black Metal und weniger wahnsinnig, muss ich sagen, dass die Band überwiegend positiv auf sich aufmerksam machen konnte. Die dargebotenen Songs sind gut komponiert, sie sind nicht zu einfach, aber auch nicht zu kompliziert arrangiert, am ehesten blieben „The Stake In My Heart" und „Sanity Hits A Perfect Zero" hängen, und vor allem wusste Keyboarderin Lauren mit süßen Pianomelodien das düstere Gesamtbild aufzuhübschen. Umgekehrt muss man sagen, dass die Band ohne Dani Filth, der hier nur ab und an seine hohen Schreie, für die er bekannt ist, einsetzt, zumindest auf der Bühne blass und austauschbar wirken würde. Live kann man sich DEVILMENT auf jeden Fall ansehen und ich kann jetzt wenigstens behaupten, einmal Dani Filth schreien gehört zu haben.

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MOTIONLESS IN WHITE
Nach DEVILMENT kamen dann schneller als erwartet MOTIONLESS IN WHITE auf die Bühne, die es bereits seit fast zehn Jahren gibt. In Europa ist dieser seltsame Haufen noch ein unbeschriebenes Blatt, in den Vereinigten Staaten konnten MOTIONLESS IN WHITE bereits einige beachtliche Charterfolge feiern, und nach den vierzig Minuten an diesem Abend ist mir auch klar, warum das so ist. Die Band ist ein weiteres Paradebeispiel dafür, wie man sich selber gewinnbringend inszeniert, man lässt sich musikalisch und optisch beeinflussen von MARILYN MANSON und ROB ZOMBIE und setzt sich geschickt zwischen die Stile Modern Metal/Metalcore, Gothic und Electro, fasst man alles zusammen kommt eine typische Emoband dabei raus, nicht umsonst habe ich mich die ganze Zeit gefragt, warum sich die Band nicht EMO-TIONLESS IN WHITE genannt hat.
Einige Fans hatte die schwer tätowierte und gut gestylte Band unter den bis dato circa 700 Anwesenden, diese gingen auch richtig ab, der Rest schaute sich die Show mit verschränkten Armen an. Der Gig der Band aus Pennsylvania war sogar gut anzsuschauen, weil ständig etwas passierte, das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Sänger der Truppe weder gut singen, noch schreien kann und dass die Songs selber extrem vorhersehabr sind, weil sie immer auf die gleichen Strickmuster zurückgreifen. Der Keyboarder schien auch mehr Staffage zu sein, denn ein Großteil der elektronischen Sounds kam sowieso vom Band, gerade zu Beginn der Songs hatte ich häufiger das Gefühl, dass diese zu spät oder zu früh eingespielt worden sind. Da ich die Alben der Band nicht kenne, kann ich auch nicht sagen, welche Songs genau gespielt worden sind, aber wie gesagt, der Song steht hier eh nicht im Mittelpunkt. Es mag Menschen geben, denen so etwas gefällt, mir ist das zu wenig authentisch.

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LACUNA COIL
Der darauffolgende Gig von LACUNA COIL war dann aus mehreren Gesichtspunkten gesehen etwas seltsam oder um das Fazit vorwegzunehmen, er war ok, man hatte seinen Spaß, aber etwas Besonderes war das hier nicht. Also ich jedenfalls hatte das Gefühl, dass die Band etwas tourmüde geworden ist, in diesem Zusammenhang spricht man dann gerne von einem routinierten Auftritt. Der Ausstieg der beiden CM's, Cristiano Migliore (Gitarre) und Cristiano Mozzati (Schlagzeug), nach der Veröffentlichung von „Broken Crown Halo" scheint Spuren interlassen zu haben, zu allem Überfluss fiel auch noch Marco Zelati, eines der Gründungsmitglieder, wegen nicht näher genannter Krankheit bei dieser Tour aus, so dass eigentlich nur noch die beiden Sänger Andrea Ferro und Cristina Scabbia original sind. Der namentlich unbekannte Ersatzbassist wirkte optisch wie ein Fremdkörper, abgesehen von IRON MAIDEN und MANOWAR sind Bassisten aber sowieso meistens austauschbar, dafür hinterließ der neue Schlagzeuger Ryan Blake Folden einen guten Eindruck. Mehr als eine Backingband für Andrea und Cristina waren die drei Musiker aber nicht, die beiden harmonieren gesanglich einfach prächtig zusammen und präsentierten sich in guter Form, lediglich dieses Vogelscheuchenoutfit der Madame Scabbia war nicht ganz nach meinem Geschmack. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass sie dieses im Laufe des Abends mindestens einmal wechseln würde, das gehört bei einer Ex-Gothic Band doch eigentlich dazu oder nicht? Aber bei einer Spielzeit von gerade einmal 70 Minuten hätte ein Klamottenwechsel nicht wirklich Sinn gemacht, habe ich diesbezüglich neulich bei EDGUY schon gemeckert, ist das auch hier der Hauptkritikpunkt. Bei Bands mit einem solchen Repertoire sind Headlinergigs unter 90 Minuten unakzeptabel, selbst die BLUES PILLS haben 70 Minuten vollbekommen, und die haben erst 1 Album veröffentlicht.

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In diesem Zusammenhang sprach Cristina Scabbia interessanterweise vor dem DEPECHE MODE Cover „Enjoy The Silence" (zusammen mit „Heaven's A Lie" das Stimmungshighlight) von „a few more songs to come", die paar Songs sollten dann aber nur noch die beiden Zugaben „Nothing Stands In Our Way" und „Our Truth" sein. Merkwürdig das Ganze, genauso wie die Tatsache, dass LACUNA COIL ihre ersten beiden Alben „In A Reverie" und „Unleashed Memories" komplett ignoriert haben, und dass man auf der „Broken Crown Halo" Tour deutlich mehr Songs vom Albumvorgänger „Dark Adrenaline" bringt, war auch nicht zu erwarten.

Wie eingangs erwähnt, ein seltsames Konzert mit zwei Vorbands, von denen man nicht genau weiß, ob man sie Ernst nehmen kann und einem Headliner, der auf Sparflamme kochte. So verließ man um Punkt 23 Uhr wieder die Rockhal, weder euphorisiert noch enttäuscht, auch das muss mal erlaubt sein. (Maik)

Setlist LACUNA COIL:
Trip The Darkness
Spellbound
Intoxicated
Victims
Heaven's A Lie
Zombies
Kill The Light
To The Edge
I Don't Believe In Tomorrow
Upsidedown
Enjoy The Silence
--------------------------------------
Nothing Stands In Our Way
Our Truth


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Anne antwortete auf das Thema: #15479 3 Jahre 7 Monate her
Nachtrag: Auch die Merchandise-Preise fand ich "amerikanisch". 25 - 30 € für ein Shirt sind mir doch zu happig.

Im Vergleich mal, was es auf den letzten Konzerten so gekostet hat:

IN FLAMES: 20 - 25 €
CIRCLE II CIRCLE: 15 €
THRESHOLD: 20 €
POWERWOLF: 20 €
DARK TRANQUILLITY: 20 €
HAMFERD: 15 €
ACYL: 10 €
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Anne antwortete auf das Thema: #15470 3 Jahre 7 Monate her
Bei DEVILMENT stimme ich dir zu. Den Sinn der Band hab' ich auch nicht verstanden. Die Schreie von Dani fand ich extrem unpassend zur Musik, klang als würde man 'ner Katze auf den Schwanz treten. Ohne wäre es besser. Naja. Auch ich kann jetzt endlich behaupten, den Dani mal live quietschen gehört zu haben, nachdem er sich 2007 ja einfach aus dem Staub gemacht hatte...

MOTIONLESS IN WHITE fand' ich ganz schön öde. Und der Sänger konnte wirklich nicht singen. Allerdings hatten die überraschenderweise in der Tat einige (vor allem weibliche) Fans, die dermaßen laut und hoch gekreischt haben, daß ich mir im Graben ernsthaft Gedanken um mein Gehör gemacht habe... Weiber...

LACUNA COIL fand ich nicht so schlecht wie du, ich hab' sie allerdings schon besser und vor allem länger gesehen. Das ist auch so eine amerikanische Unsitte, die sie übernommen haben, obwohl die Christina ja im Interview mit mir seinerzeit alles amerikanische von sich gewiesen hat und behauptet hat, immer noch eine europäische Band zu sein. Nuja.

Umgezogen hat die sich ja noch nie, aber es gab mal Zeiten, da trug sie rückenfreie Kleider auf der Bühne...sellemols.

Meine neueste Theorie zu dem Fetzen da ist ja: Die fällt ja jetzt viel in Amerika rum. Da saß die wohl so im Rosengarten und hat wild vor sich hin gegärtnert, als sie von einem Bären angefallen wurde, den sie gerade nochmal so in die Flucht schlagen konnte.

Aber ey, was soll das Bassistengedisse?? Ich mag Bassisten...

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